Kastration und Sterilisation bei Rüde und Hündin

Aktualisiert: März 9


Definition Sterilisation: (Unfruchtbarmachung) durch Unterbinden der Ausführungsgänge der Geschlechtsdrüsen. Die Hunde werden „steril“, d. h., sie sind nicht mehr fortpflanzungsfähig. Beim Rüden: Durchtrennung der Samenleiter. Bei der Hündin: Durchtrennung der Eileiter. Die Sterilisation unterbindet lediglich die Fortpflanzung, sonst ändert sich nichts. Die Hündin wird weiterhin läufig, der Rüde hat nach wie vor Geschlechtstrieb.

Definition Kastration: Kastration kommt aus dem Lateinischen (castratus) und heißt „Entmannung“. Das Ausschalten der Keimdrüsen (Hoden, Eierstöcke) durch operatives Entfernen. Beim Rüden: operative Entfernung beider Hoden und des Hodensacks, die Haut wird zugenäht. Bei der Hündin: operative Entfernung der Eierstöcke, manchmal auch zusätzliche Entfernung der Gebärmutter (Totaloperation). Kastration, ist ein Thema das Sie als Hundebesitzer sowie mich als Hundetrainer und –therapeut ständig begleitet. Genügend Anlass, um sich über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme gründlichst Gedanken zu machen. Ein Thema, das viele Fragen aufwirft. Über die Frage, über die ich hier am meisten stolperte. Was ist die Ursache des Kastrationswahnes bei Hundebesitzern? Was mich dabei am meisten wundert ist, dass Tierschützer, die sich (zurecht) furchtbar darüber aufregen, dass Hundeohren und Ruten kupiert werden, genau diejenigen sind, die eine Rüden nicht schnell genug kastrieren können (Oder einer Hündin alle Reproduktionsorgane entnehmen lassen.) Auch Tierärzte kastrieren häufig recht kritiklos und ohne genügend aufzuklären - als Allheilmittel. Dabei stellt sich mir die Frage - bei allerorts bekundeter artgerechter Haltung und Erziehung - ob es wirklich dem Tier dienen soll, oder ob wir uns als Mensch nicht überlegen sollten, dass manche Dinge eben so sind, wie sie sind und immer waren. Dazu gehört für mich auch der Geschlechtstrieb mit all seinen Auswirkungen. Sicherlich hätten pubertierende Jugendliche weniger Probleme, wenn Sie mit zwölf kastriert werden würden, Mädchen hätten nie Brustkrebs, würden diese prophylaktisch entfernt. Was für eine Welt. - Von den ganzen Straftaten die liebes-, sexuell- und eifersuchtsmotiviert sind, ganz zu schweigen. Die letzten Jahre wird der Ruf nach dem „perfekten“ Hund immer lauter. Dieser wird dann wie folgt definiert: Er soll mit jedem anderen Hund klarkommen, was dann als gutes Sozialverhalten ausgelegt wird. Er soll nicht bellen und niemanden bedrohen, wenn wir es nicht wünschen. Da es immer mehr Menschen gibt, die ihren Hund als Sozialpartner immer und überall mitnehmen möchten, will natürlich niemand Kommentkämpfen oder ernsten Auseinandersetzungen unter gleichgeschlechtlichen Hunden ausgesetzt sein. Früher war ein guter Hund, der eben genau dieses Verhalten nicht zeigte! Der seine Menschen und ihr Heim zähnefletschend beschützte, Besucher meldete und sonstiges Raubzeug vom Hof fernhielt. Es war völlig normal, eben nicht zu erwarten, dass ein Hund mit jedem gleichgeschlechtlichen klarkommen muss. Das alles ist noch gar nicht so lange her! War in ländlicher Gegend ein Hund anders, war er kein ’guter’ Hund. Also teils ganz normales Hundeverhalten wird als hormongesteuert klassifiziert - insbesondere bei Rüden. Wenn aber ein unkastrierter Rüde nicht mit seinen Geschlechtsgenossen klarkommt heißt das noch lange nicht, dass er das kastriert besser bewältigen würde. Das gleiche gilt für den territorial- aggressiven, dominanten oder sonst wie problembehafteten Hund.

Hundebesitzer führen dagegen Katsrationsgründe an wie: Reinlichkeit (Hündinnen), Rangordnungsprobleme, Streunen und sonstige Verhaltensprobleme, Aufreiten (auf Mensch und Artgenossen), Wesensveränderung während der Hitze bei Rüden und insbesondere bei Hündinnen und gesundheitliche Probleme.

Viele Unarten und Flegeleien, die unkastrierte Hunde an den Tag legen, sind nicht hormoneller Natur, sondern eine Folge falscher oder gar keiner Erziehung, Beschäftigung, Aufmerksamkeit, Bindung und Rangordnung. Ich habe noch keine Kastration erlebt, die ein Erziehungs- oder Rangordnungsproblem je gelöst hätte. Eher war das Gegenteil der Fall, wenn ein Rüde wegen Verhaltensproblemen zur Familie kastriert wurde, verschlechterte sich der Zustand sogar meist im Anschluss.

Kastration aus verhaltensbedingten Gründen bei Rüden ist nur dann sinnvoll, wenn das Problemverhalten eindeutig hormongesteuerter Natur ist. Manche Rüden zeigen z.B. hypersexuelles Verhalten. Bei diesen Hunden könnte man meinen, sie würden alles ’beglücken’ was bei drei nicht auf dem Baum ist. Sie geraten auch bei nicht läufigen Hündinnen schon völlig aus dem Häuschen. Manchmal kann man das hormonelle Gleichgewicht durch homöopathische Mittelgaben wieder gut ins Gleichgewicht bekommen. Solche Rüden können jeden gleichgeschlechtlichen Artgenossen als starke Konkurrenz empfinden und dementsprechend abweisend reagieren. Auch wenn ein Rüde notorisch ausbüchst, wenn Hündinnen läufig sind, kann eine Kastration sinnvoll sein.

Rüden die sehr unter Liebeskummer leiden, kann teils gut naturheilkundlich geholfen werden. Hündinnen die sehr zu Scheinträchtigkeit neigen und dabei eventuell noch starke Wesensveränderungen durchmachen und dann z. B. sehr aggressiv auf Artgenossen(innen) oder Menschen reagieren, kann eine Kastration oder Sterilisation oftmals Erleichterung für beide Seiten schaffen. Ebenso wenn bei Mehrhundehaltung klar ist, dass Sie keinen Nachwuchs wünschen und ein unkastrierter Rüde anwesend ist, ist diese Maßnahme zu empfehlen.

Dann gibt es gesundheitliche Probleme die eine Kastration sinnvoll, wenn nicht gar unumgänglich machen, wie Hodentumore, Mammatumore, Gebärmuttervereiterung, Prostataprobleme, Kryptochismus (Hoden verbleibt in der Leiste) etc. Über den optimalen Zeitpunkt zu einer Kastration gibt es widersprüchliche Angaben. Aus meiner Erfahrung kann ich folgendes empfehlen. Das Höhenwachstum des Hundes sollte abgeschlossen sein. Je nach Rasse und Hund etwa zwischen 8. und 12. Monat. Eine Hündin muss übrigens nicht erst Welpen gehabt haben, um sie zu kastrieren. Einen ausgewachsenen Rüden ab drei Jahren würde ich ohne gesundheitliche Gründe nicht mehr kastrieren, da ich nie gesehen habe, dass eine Kastration ab diesem Zeitpunkt noch wesentliche Verhaltensänderungen mit sich bringt - außer zum negativen. Folgende Vor– und Nachteile bringt ein Eingriff: Hündin: Vorteile keine Läufigkeit keine Scheinschwangerschaften geringeres Risiko für: Vaginal-Tumore, Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Gebärmutter-Vereiterung Nachteile: Fellveränderungen möglich Risiko der OP erhöhtes Risiko für: Inkontinenz, Fettleibigkeit, Herztumore, Harnleitertumore, Bindegewebsschwäche, Schilddrüsen-Unterfunktion Rüde: Vorteile Kann das männliche Dominanzverhalten unter Artgenossen unterbinden oder reduzieren und sexuell orientiertes streunen unterbinden. geringeres Risiko für: Leukämie, Hodenkrebs, Analfissuren, Prostataprobleme Nachteile Risiko der OP Fellveränderungen möglich erhöhtes Risiko für: Fettleibigkeit, Prostatakrebs, Harnleiter-Tumore, Diabetes, Knochenkrebs, Schilddrüsen-Unterfunktion Sonstiges: Die Vor- und Nachteile einer Kastration sind immer sorgfältig abzuwägen. Beim Rüden wirkt sich die Kastration oft unterschiedlich aus, je früher kastriert wird, desto stärker die Auswirkungen.

Kastrierte Hunde verbrennen ihre Nahrung besser, sie fressen zwangsläufig mehr. Dem etwaigen zunehmen ist mit strikter Futterrationierung oder Umstellung, zu begegnen. Kastration hat vor der Geschlechtsreife eine Verzögerung des Epiphysen- Fugenschlusses zur Folge. Die mächtigen Röhrenknochen wachsen deshalb bei den Kastraten länger als bei unkastrierten Tieren - durch den „eunuchoiden Hochwuchs“ werden solche Tiere häufig größer als ihre Artgenossen. Kastrierte Tiere haben statistisch gesehen eine höhere Lebenserwartung von etwa einem Jahr gegenüber unkastrierten! Sollten Sie im Zweifel sein ob Testosteron das Verhalten Ihres Hundes beeinflusst, kann eine chemische Kastration Sicherheit geben. Sollte sich das Verhalten Ihres Hundes bessern, kann eine operative Kastration in Erwägung gezogen werden. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt. Die Homöopathie und Naturheilkunde bietet für Rüden die testosterongeplagt sind teils sehr erfolgreiche Alternativen. Sprechen Sie mit Ihrem klassischen Tierhomöopathen oder erfahrenen Tierheilpraktiker.


20 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen