Zwinger - Das Unwort in der Hundehaltung

Seit Menschengedenken wurden Hunde draußen gehalten. Daraus entstand leider eine Haltungsform die eine starke Vereinsamung und Vernachlässigung des Hundes beinhaltete. Die der Zwingerhaltung. D.h. dass Hunde einzeln gehalten, fast ausschließlich ihr Leben in einem Zwinger verbrachten. Ohne ausreichend Sozialkontakt, Beschäftigung und oft noch ungenügend komfortabel ausgestattet. Verhaltensauffälligkeiten wie Dauerkläffen, Kreislaufen/springen, Aggressions- und Angstverhalten waren oft die Folge.


Dann, vor nicht allzu langer Zeit entstand eine neue Haltungsform die früher undenkbar gewesen wäre. Nicht- Schosshunde werden ausschließlich in Wohnungen gehalten. Meist sogar ohne eigenständige Zugangsmöglichkeit nach draußen. Das brachte einen ganzen Industriezweig zum erblühen. Die der privaten Hundetrainer, Hundepsychologen oder Therapeuten und wie sie nicht immer alle genannt werden oder sich auch immer nennen. Denn aus dieser Haltungsform entstanden wieder Probleme. Hunde sind ebenso nicht ausgelastet, neigen zu Verhaltensauffälligkeiten, Aggressions- und Angstverhalten. Nie gab es so viele Hundetrainer/Psychologen wie heute. Ja, warum denn überhaupt? Jetzt haben unsere Fiffis doch alles. Eine Couch und ein Bett bekommen jeden Tag ihr Fressen hingestellt, werden Gassi geführt……eigentlich ein tolles Hundeleben.


Und genau das ist das Problem. Stellen sie sich die Welt aus Sicht des Hundes vor. Sie leben in einer Wohnung. – schön. Sie sehen oftmals nicht oder nur mit Anstrengung aus dem Fenster. Sie werden Gassi geführt und gefüttert. Keine Scheiss Aufgabe gibt’s in ihrem Leben. Alles wird mit ihnen gemacht. Die totale Abhängigkeit. Bellen dürfen Sie nicht wenn jemand kommt. Sie hören ständig Sachen die sie nicht sehen. So besteht das Leben oft aus warten. Warten bis jemand Zeit hat sich mit einem zu beschäftigen oder mit einem rausgeht dass man sich selbst beschäftigen kann. Alles im Leben des Hundes wird kontrolliert. Selbst mit welcher Partnerin er darf und wann- wenn er dann überhaupt mal darf. Besser wir kastrieren ihn. Iss doch auch viel besser für ihn dann leidet er nicht so sehr unter sich selbst.


So eine Wohnung bietet einem Hund nach kürzester Zeit keine neuen Reize mehr. Im Gegenteil. Draußen kriegt er mit wie die Vögel singen, welche Gerüche die Luft enthält, da huscht eine Maus… da kommt der Nachbar- dem zeig ich gleich mal wer ich bin! Der Hund und sein Organismus ist Wind und Wetter – den Elementen ausgesetzt. Wie es sich seit Urzeiten für einen Jäger der Wildnis gehört. Das alles bietet ein isolierter Raum mit Schallschutzwänden und Isoglas aber nicht.

So- jetzt versuchen „verantwortungsbewusste“ Menschen dem Hund ein adäquates Ersatzprogramm zu liefern. Rudelhaltung wird durch bewusste Fehlprägung auf den Menschen ersetzt. Jagdausflüge durch Spaziergänge nachempfunden, die optimalerweise mit Spiel- und Fährtensuche abwechslungsreich gestaltet werden. Rudelleben im Familienverband ersetzt der Mensch und Kontakt zu Artgenossen gibt’s dosiert nach Vorgabe. Bei der Fütterung geht’s weiter. Barfer setzen die Nahrung des Hundes so zusammen wie es dem Beuteschema des Wolfes oder freilebenden Caniden entsprechen würde. Für die restlichen gibt’s das aus der Dose oder dem Sack.

Dabei sollten wir uns aber immer bewusst sein dass wir nur das leidlich ersetzen was wir dem Jäger der Wildnis nicht bieten können. Ein freies Leben.

Nachdem ich jetzt eine lange Brücke geschlagen habe komme ich nun wieder zurück zur Zwingerhaltung und zwar zur New- Age Zwingerhaltung. Der sog. Auslaufhaltung. Hier hat der Zwinger lediglich die Funktion des Schlaf und Ruheplatzes. Quasi den der Höhle. Ein trockenes Plätzchen der Rückzugsmöglichkeit bietet. Der Hund ist dauerhaft mit Artgenossen vergesellschaftet die dann auch die Möglichkeit zu Rudel- Familienleben haben, eventuell sogar über Generationen. Angeschlossen an den Zwinger ist der Auslauf. Der bietet die Möglichkeit des territorialen Streifzuges und der Bewachung. Löcher können gebuddelt werden, wenigstens Mäuse gejagt, Pflanzen, Wurzeln und Erde aufgenommen werden. Als Sichtjäger mit einem nahezu unübertrefflichen Gehör können Geräusche geortet und dabei gleichzeitig gesehen und zugeordnet werden. Als Spezialist für Bewegungssehen in der Ferne wird dem Hund ein freier rundum Blick gewährt. Der Hund hat sein eigenes Reich. Täglich kommt der Dosenöffner und ersetzt dem Rudel den Jagdausflug und die Streifzüge im äußeren Streifgebiet. Alternativ kann natürlich auch die Wohnung mit angrenzendem Grundstück den Zwinger ersetzen. Vorausgesetzt, sie sind in der Lage die Position eines Super – Alphas einzunehmen. Gleichzeitig werden sie aber bemerken dass Hunde die eine Hundefamilie haben den Menschen gar nicht mehr so sehr brauchen. Sie sind emotional nicht mehr abhängig von ihm. Ein Hund so gehalten hat wenigstens minimale Entscheidungsfreiheit gemessen am wilden Leben.


Wer glaubt den überhaupt dass ein Hund den ganzen Tag mit seinen Menschen konfrontiert sein will? Wie oft habe ich gesehen dass Hunde regelrecht froh waren wenn sie bei einem Pensionsaufenthalt einfach nur Hund sein durften. Hinkacken wo und wann sie wollten. Einen schönen Knochen zum benagen und keiner schimpft über die Sauerei. Niemand stellt Ansprüche und will ein bestimmtes Verhalten sehen oder nimmt das dann persönlich. Wenn was von außen kommt darf nach Herzenslust gebellt und getobt werden.

Also ersetzen wir den Begriff Zwingerhaltung der, wie wir Schwaben sagen, „ein Gschmäckle hat“ durch den Begriff „Auslaufhaltung“. Für mich die modernste und tiergerechteste Form der Hundehaltung.


Ich als Hundepsychologe und Liebhaberzüchter gebe Hunde nur ungerne in reine Wohnungshaltung ab. Denn in einer Wohnung herrschen die Gesetze der Menschen. Draußen hingegen herrscht das Gesetz der Wildnis. Und selbst wenn es nur 20 qm Wiese ist die ihr Hund hat um das zu spüren was sein eigentliches Leben ausmacht. Freiheit über sich selbst, seine Entscheidungen und Gefühle. Allemal artgerechter als 100 qm Wohnung mit goldenen Wasserhähnen. Denken sie mal darüber nach.




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